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Vokalensemble für Musik des
Mittelalters
am Dom zu Speyer |
Bau- und
Restaurierungsgeschichte
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Ansicht der Südseite von Südwesten |
Die ehem. Abteikirche wurde noch unter
dem ersten Abt Stephan vor 1168 begonnen. Damals arbeitete man
am Fundament, wie die dendrochronologische, d.h.
naturwissenschaft-liche Datierung der Jahresringe eines im Fundament
des südlichen Seitenschiffs geborgenen Holzes belegt. Der für
Zisterzienser lange Zeitraum von rund 25 Jahren zwischen der Ankunft
der ersten Mönche und dem Baubeginn der Kirche hatte unterschiedliche
Ursachen: Zunächst war die Stiftung Siegfrieds materiell auffallend
gering ausgestattet, zudem verstarb der Stifter früh, so dass anfangs
wirtschaftliche Schwierigkeiten angenommen werden können. Vielleicht
wurde auch lange nach einem geeigneten Standort gesucht. Der heutige
Standort im Tal des Otterbachs bereitete jedenfalls technische
Probleme. Da der Baugrund in Muldenlage durch Grund- und Hangwasser
stark durchfeuchtet ist, zudem Quellen unter dem Nordquerarm lagen,
musste unter der Kirche ein für Sakralbauten singuläres System von
Wasserableitungskanälen angelegt werden, wohl die älteste
mittelalterliche Wasserableitung Deutschlands. Auch das gegenüber dem
Südseitenschiff um 88 cm angehobene Bodenniveau des Mittel- und des
Nordseitenschiffs steht damit offenbar in engem Zusammenhang.
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Vermutlich musste man während des Baus
erkennen, dass die Feuchtigkeitsprobleme gravierender waren, als
ursprünglich angenommen, und legte deshalb Mittel- und Nordseitenschiff
höher. Schließlich resultiert der große zeitliche Abstand zwischen der
Gründung und dem Baubeginn möglicherweise auch daraus, dass man
zunächst mit Bauten der Klausur begann. Deshalb wurde mit der
Südseite der Kirche noch vor dem Altarhaus begonnen, wie u.a. die
älteren Formen des Kapitelsaals vermuten lassen. Mit dem Bau des
Kanalsystems wurden zumindest die Südseite, das Querhaus und der Chor
fundamentiert. So sah man zu diesem frühen Zeitpunkt einen flach
schließenden Chor vor, auch dies ein Hinweis auf das Mutterkloster
Eberbach, dessen Kirche mit Kastenchor - allerdings ohne Kapellen -
gerade im Bau war. Weitere dendrochronologisch datierte Hölzer legen
den Schluss nahe, das die aufwändigen Fundamentierungsarbeiten noch bis
nach 1177 andauerten.
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Ab ca. 1180 wuchs die Kirche in vier
Bauabschnitten empor. Im ersten errichtete man zunächst die Außenwand
des Südseitenschiffs bis zur Dachhöhe des Kreuzgangs. Daran schlossen
sich die Mauern des Südquerarms und des Chors bis in Höhe der Kämpfer
an, wobei man in Abweichung vom ersten Plan eine Apsis mit dreiseitig
gebrochenem Schluss ausführte. Mit den Mauern des Nordquerarms und der
Ostjoche des Nordseitenschiffs wurden die Kapellen an den Querarmen und
am Altarhaus begonnen. Im zweiten Bauabschnitt wurden zwischen 1199 und
1211 Altar- und Querhaus fertig gestellt und eingewölbt, so dass sie
rund 40 Jahre nach Baubeginn u.a. für Messen und für die Chorgebete der
Mönche nutzbar waren. Gleichzeitig entstanden das östliche Langhausjoch
als Widerlager des Vierungsgewölbes und die Pfeiler der sich nach
Westen anschließenden Joche des Langhauses. Im Südseitenschiff wurden
die Außenmauern vollendet und die Ostjoche eingewölbt. Der Bau des
Nordseitenschiffs schritt analog zum Mittelschiff nach Westen voran.
Vornehmlich unter dem bedeutendsten Abt Philipp (1209-25) entstanden in
der dritten Phase zwischen 1211 und 1236 der Obergaden und die Gewölbe
der vier östlichen Mittelschiffjoche, daneben die Langhausarkade des
fünften Jochs sowie das untere Geschoss der Westfassade.
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Blick in den Chor |
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Die Seitenschiffe wurden fertig
gestellt. Mit dem vierten Bauabschnitt, der in die Amtszeiten der Äbte
Folkard und Gerhard fiel, wurde der Bau zwischen 1236 und 1242/46
vollendet: Das fünfte Joch des Mittelschiffs erhielt Obergaden und
Gewölbe, die Westfassade das obere Geschoss mit dem Rosenfenster, das
im Gewände inschriftlich 1241 datiert ist. In zwei anderen Inschriften
sind möglicherweise die Namen eines Baumeister oder Stifters
überliefert: HARTMUT an einem Gurtbogen des Mittelschiffs und MEME(N)TO
• CVNRADI im Tympanon des Hauptportals. 1246 wurde am Dach gearbeitet,
wie die dendrochronologische Datierung eines Balkens des Chordachs
belegt. Nach ca. 90 Jahren Bauzeit vollzog Weihbischof Arnold von
Lüttich in Anwesenheit von Erzbischof Gerhard von Mainz am 10. Mai 1254
die Weihe der Klosterkirche und ihres Hochaltars.
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Ansicht der Westfassade |
Zur Geschichte der Kirche nach ihrer
Vollendung sind nur wenige Nachrichten überliefert. Das Bauwerk wies
schon 1612 Schäden an Dach und Fenstern auf. 1670/71 wurde ein
Großbrand wahrscheinlich durch Blitzschlag ausgelöst, so dass der
Dachreiter über der Vierung ersetzt werden musste. 1789 galt die Kirche
als einsturzgefährdet. Um 1800 wurde sie von den Franzosen
beschlagnahmt und diente als Hafer- und Strohmagazin. In den folgenden
Jahren verschlechterte sich ihr Zustand zusehends, so dass im Winter
das Wasser im Innenraum »mehrere Schuh« hoch stand. Nachdem die Pfalz
1815 an Bayern gekommen war, und nach der Vereinigung der
protestantischen Kirchen 1818 wurde die erste große Renovierung
zwischen 1821 und 1831 durchgeführt. Ihr Ziel war die Beseitigung der
Feuchtigkeit. Hierzu wurde u.a. ein neues Entwässerungssystem eingebaut
und der Kirchenboden um ca. 1,5 - 2 m angehoben. Die nächsten Eingriffe
wurden 1902 vorgenommen, als zunächst das protestantische Langhaus
innen grundlegend renoviert wurde, der katholische Teil folgte 1911.
1970/71 wurden die Außenwände gereinigt, zuvor das Dach erneuert und
über der Vierung ein Dachreiter mit Glocken nach dem Kupferstich von
Matthäus Merian (1648) wieder errichtet. Die letzte große Restaurierung
begann 1978. Wieder galt ein Hauptaugenmerk der Beseitigung der
aufsteigenden Nässe.
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Zu diesem Zweck wurde das alte
Entwässerungssystem durch eine archäologische Grabung untersucht und
der Grundwasserstand drei Jahre gemessen. Anschließend wurde der Boden
bis in 1,2 m Tiefe ausgebaggert und ein Entwässerungssystems mit
begehbarem Kanal, in den Drainagerohre münden, eingesetzt. Das
ursprüngliche Fußbodenniveau konnte rückgebaut werden. Am Mauerwerk des
Mittelschiffs waren keine tief greifenden Reparaturen notwendig. Da die
Farbfassung bis auf Reste zerstört war, beließ man die Steinflächen in
natürlicher Farbigkeit, die Putzflächen im Gewölbe erhielten einen
hellen Kalkanstrichen Querschiff und Chor bot sich ein größeres
Schadensbild, u.a. mussten Spannanker zur Stabilisierung der Chorwände
eingezogen werden. Am 15. September 1991 wurde das in neuem Glanz
erstrahlende Bauwerk den Gemeinden feierlich übergeben.
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Copyright:
Deutscher Kunstverlag GmbH
München Berlin
Nymphenburger Str. 84
80636 München
Tel. 089/1215-22
Fax 089/121516-16 |
Aufnahmen:
Michael Jeiter, Morschenich
Hans Freytag, Neuhofen
Historisches Museum der Pfalz,
Speyer
Bischöfliches Bauamt, Speyer |
Text:
Dr. Eduard Sebald
c/o Landesamt für
Denkmalpflege, Mainz |
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Führungen:
Tourist Information
Hauptstr. 61
61679 Otterberg
Tel. 06301/31504 |
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26.04.2011
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